Unterlagen – der unterirdische Teil einer Weinrebe
Die Unterlage ist der unterirdische Teil eines gepfropften Rebstocks, der von einer reblausfesten Amerikaner-Rebe stammt. Bei der Veredelung wird auf diese das Oberteil (Edelreis) von europäischen Rebsorten der Spezies Vitis vinifera aufgepfropft. Der Grund für die Pfropfung ist die geringe Anfälligkeit bzw. Resistenz der Wurzeln von amerikanischen Wildarten gegen die unterirdischen Stadien der Reblaus.
Bezüglich ihrer weinbaulichen Eignung müssen Unterlagsrebsorten weitere züchterische Voraussetzungen erfüllen. Das sind geringe Anfälligkeit gegen beide Mehltauarten, geringe Neigung zu Chlorose (Gelbfärbung der Blätter bei hohem Kalkgehalt), Widerstandsfähigkeit gegen Bakterien und Viren, gute Holzstruktur und Holzreife, gute Adaption (Verträglichkeit) an verschiedenartige und schwierige Bodentypen, gute Nährstoffaufnahme sowie gute Pfropfaffinität zur aufgepfropften Rebsorte ohne die Förderung des Verrieselns (Abwerfen der Blüten).
Wichtig bei der Rebenveredlung ist ein gutes Verwachsen der beiden Gewebe von Edelreis und Unterlage an der Pfropfstelle und die harmonische Abstimmung der Wuchseigenschaften beider Partner.
Der überwiegende Teil unserer verwendeten Unterlagen sind Abkömmlinge der drei amerikanischen Wild-Spezies-Kreuzungen Vitis berlandieri x Vitis riparia, Vitis riparia x Vitis rupestris und Vitis berlandieri x Vitis rupestris. Börner, eine 1989 zugelassene Unterlage mit vollkommener Reblaus-Resistenz wurde von Dr. Helmut Becker (1927-1990) aus einer Kreuzung Vitis riparia x Vitis cinerea kreiert.
Genauso wie Qualitätswein-Rebsorten werden auch Unterlagsreben von den Landes-Behörden zugelassen bzw. klassifiziert (unterschiedlich per Weinbaugebiet).